Abend-Winter-Tour am 05.12.2021
EIn kleines Vorwort der Vorstandschaft zu diesem sehr emotionalen Bericht von unserem Daniel, Teamleiter unserer Rubrik OnTour.
Genau diese Emotionen sind der Motor unseres Vereins. Das ist der Treibstoff, der uns Monat für Monat immer wieder antreibt: anderen Menschen zu helfen.
Diesen Bericht sollte man wirklich bis zum Ende lesen und sich Wort für Wort einmal durch den Kopf gehen lassen.
Hallo ihr Lieben,
nachdem wir heute unsere erste "Abend-Winter-Tour" gelaufen sind, hier ein paar Eindrücke davon.
Los gings heute etwa 16.30 am Parkhaus. Wie immer gut ausgestattet mit 30 liebevoll gepackten Tüten und jeder Menge Kosmetika.
Heute hatten wir außerdem 7 Schlafsäcke, Decken, Winterklamotten und diverse Schals und Mützen dabei. Außerdem 4 Pumpkannen mit je 1,5 Litern Heißwasser.
Gelaufen sind wir die übliche Runde.
Wir sind die Museumsbrücke Richtung Karstadt gegangen und haben festgestellt, dass heute etwas anders war.
Ja, es ist der 2. Advent und die Stadt ist weihnachtlich geschmückt. Man hat viele Familien beim Adventsspaziergang mit einem Glühwein oder einem Lebkuchen in der Hand gesehen.
Aber gleich daneben das leider andere Gesicht unserer Gesellschaft.
Am Karstadt war auf einem Lichtschacht, der etwas Wärme von unten gibt, ein Matratzenlager. Darin eingepackt einer unserer Obdachlosen.
Trotz zweier Decken und diverser Klamotten am ganzen Leib stark frierend.
Er bekam natürlich gleich erstmal einen heißen Tee. Und dann die Tüte mit Lebensmitteln und Kosmetika. Außerdem haben wir ihn auch mit einem Schlafsack ausgerüstet.
Im Hintergrund hat man aber auch die Blicke der Passanten gespürt, die sich sicher fragten, was wir da machen.
Ab und an bin ich dann mal so frei und gehe auf eine dieser Personen zu und erkläre, wer wir sind und was wir tun.
Wir haben dann unsere Tour über Karolinenstraße und Breite Gasse fortgesetzt.
An der Galeria Kaufhof sind wir dann auf eine Gruppe von drei Personen gestoßen, von denen eine uns gut bekannt war.
Das Wiedersehen war sehr schön. Er erzählte uns, dass er auf "Urlaub" war und seit dieser Woche wieder da ist.
Er bekam sofort von uns erstmal eine "Grundausrüstung" in Form eines Schlafsacks, einer Decke sowie einen Gaskocher inklusive Kartuschen.
Seine zwei Kameraden sind natürlich auch versorgt worden.
Der heiße Tee war heute ein absoluter Renner, der ging weg wie die sprichwörtlichen „warmen Semmeln“.
Dann gings weiter Richtung Klarakirche.
Dort saß auch ein Mann nur auf einer Decke und einem kaputten Schlafsack. Er bekam natürlich nun einen neuen Schlafsack und auch eine Jacke, Schal und Mütze.
Als wir grade gehen wollten, stand er auf hielt uns seine Hände hin - und fing an bitterlich zu weinen.
Auch wenn das jetzt blöd klingen mag, aber da hat es mich gerissen. Ich hab seine Hände genommen und er hat sich tausendmal bedankt und dann hab ich eine Runde mitgeheult...(ja auch Männer weinen ab und an).
Das Ganze war so ergreifend, dass kann man fast nicht in Worte fassen.
Das muss man erlebt haben.
Nachdem die Tränen getrocknet waren, ging es weiter Richtung Bahnhof.
Und auch hier haben wir jede Menge Obdachlose angetroffen und unsere Sachen verteilt.
Das Fazit unserer heutigen Tour: sehr viele Emotionen, Tränen, aber auch Lachen und nette Gespräche.
Was mir heute aufgefallen ist, dass an fast jedem Platz etwas Weihnachtliches war. Sei es eine Kerze oder eine kleine Lichterkette.
Auch das hat mich sehr bewegt, dass diese Leute trotz Ihrer "Scheiß- Situation" (Entschuldigung für den Kraftausdruck) immer noch versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
Und dann fährt man heim in eine warme Wohnung und fragt sich "warum"?
Warum gibt es in einem "Sozialstaat" wie Deutschland immer noch Menschen, die ganz unten leben?
Warum fallen sie durch das doch so soziale Raster?
Ich weiß, ich kann diese Fragen nicht beantworten. Aber eines weiß ich. Ich kann versuchen, zusammen mit vielen anderen, die Situation dieser Menschen etwas erträglicher zu machen.
Und genau das ist der Grund, warum ich immer rausgehe auf Tour zu den Leuten, um zu helfen, um sie mit dem Nötigsten zu versorgen, ihnen zuzuhören, zu lachen, aber auch mal mit Ihnen zu weinen - und das werde ich, solange es geht, weiter tun.
In diesem Sinne danke ich all jenen, die mit mir zusammen das gleiche Ziel verfolgen und mit mir auf Tour gehen.
Ihr seid die Besten.
Sorry, falls dieser Bericht heut etwas zu lang und zu emotional war, aber das musste einfach mal geschrieben werden.
In diesem Sinne euch allen noch eine besinnliche Weihnachtszeit und eventuell bis zu einer der nächsten Touren
Euer Daniel von OnTour